Autofokus – so einfach und doch so kompliziert.

Der Autofokus. Es könnte so einfach sein. Man drückt auf den Auslöser, die Kamera fokussiert korrekt und macht das Bild. Was so einfach klingt ist eben nicht so einfach und funktioniert leider häufig eher suboptimal. Früher hatte eine Kamera manuellen Fokus und der Sensor war ein Schnittbildindikator plus Mikroprismenring. Das funktionierte teilweise besser.

Wieviel Automatik ist gut.

Fragt ihr euch auch manchmal Wofür die ganzen Modi beim Autofokus sinnvoll sind? Fangen wir mal mit der Wahl des Fokusfeldes an. Da gibt es verschiedene Modi, wo die Kamera automatisch ein (oder manchmal auch mehrere) AF-Felder auswählt. Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber bei mir Rät die Kamera immer ziemlich schlecht was ich machen will. Noch übler finde ich das im Liveview. Man schiebt das Fokusfeld an eine bestimmte Stelle und plötzlich meint die Kamera ein Gesicht erkannt zu haben und zielt auf eine Chipstüte.

Gesichtserkennung. Das ist sicher eine gute Erfindung für die Urlaubsknipse von Oma Erna. Die kleine Sony von meiner lieben Mutti hat sogar eine Grinsematic. Sprich, die löst automatisch aus, wenn jemand in die Kamera lächelt. Aber, liebe Kamerahersteller, benötigt man die Gesichtserkennung bei einer professionellen Spiegelreflexkamera? Ich kenne keinen Profi, der sich mit einer Gesichtserkennung bevormunden lässt. Beim Drehen von Videos mag das noch halbwegs Sinn machen. Aber selbst da fokussieren die meisten doch manuell oder wählen zumindest den Fokuspunkt selbst.
Aber gut. Schalten wir den Liveview aus und wir gucken wieder durch den Sucher. Der ambitionierte Amateur und der Profi sowieso wählen das AF-Feld selbst. Nicht weil es cool ist alles selbst einzustellen, sondern weil man sich auf die Automatik schlicht nicht verlassen kann. Stichwort: Reproduzierbarkeit.

Apropos AF-Felder. Zum Glück kann man bei den Nikons die Anzahl der AF-Felder reduzieren. Mich nerven die 39 AF-Felder beim Auswählen eher, als das sie mir helfen. Mit 11 AF-Feldern drückt man einmal auf OK und ist mit einem Druck auf dem Kreuz in die entsprechende Richtung auf einem AF-Feld für den goldenen Schnitt.
Was nach der Wahl des richtigen Feldes bleibt ist die Entscheidung zwischen kontinuierlichen Autofokus („AF-C“ bzw „AI Servo AF“) und einfache Autofokus („AF-S“ bzw „One-Shot AF“). Dann wäre noch der die Automatik („AF-A“ bzw „AI Focus AF“) – aber das Thema Treffsicherheit der Kamera beim Thema „rate was ich meine“ hatten wir ja schon. Tatsächlich scheiden sich bei dem Thema AF-C oder AF-S die Geister – selbst bei den Profis.

Eines ist klar. Für bewegte Objekte oder auch wenn sich der Fotograf bewegt kommt nur AF-C in Frage. Nur für statische Objekte benutzt man den AF-S. Im Handbuch der Kameras wird da fast immer die klassische Portraitfotografie genannt. Meistens gleich zusammen mit dem ‚Reframing‘, also dem verschieben des Bildausschnitts nach dem fokussieren wenn kein AF-Feld an der richtigen Stelle verfügbar ist.
Jetzt ist es aber so, dass wenn man mal plötzlich etwas fotografieren will, was sich schnell bewegt, schlägt Murpheys Gesetzt zu und man hat natürlich gerade die Kamera auf AF-S stehen. Oder wenn man ein Portrait macht, steht die Kamera noch vom letzten Event auf AF-C und das Re-framing klappt nicht. Also braucht der Fotograf eine Methode die immer funktioniert.

Die übliche Methode – „AF-Lock“

Für diesen Zweck haben die Kamerahersteller an der Rückseite von Spiegelreflexkameras einen Knopf angebracht – den „AE-L/AF-L“-Knopf. AE-L steht für „Auto Exposure Lock“, also dem speichern der aktuellen Belichtung. AF-L heißt „Auto Focus Lock“ – es wird also der Autofokus gespeichert. Spiegelreflexkameras der Oberklasse haben hier für zwei knöpfe.

AE-L AF-L

Die übliche Methode ist, die Taste (so man denn nur eine hat) nur für den AF-Lock zu benutzen und die Kamera immer im kontinuierlichen Autofokus zu lassen. Den AE-Lock legt man sich, wenn man ihn denn benötigt, kann man entweder auf dem Auslöser lassen oder auf eine andere Taste legen. Ich habe mir diese Funktion auf die vordere Funktionstaste meiner D610 gelegt und erreiche sie mit dem kleinen Finger *1.

Die alternative Methode – „AF-On“

Man nimmt den Autofokus vom Auslöser weg und legt ihn sich auf eine seperate Taste. Wenn der AF sich nicht mehr einschaltet, wenn man auf den Auslöser drückt, benötigt man ja keine Taste mehr um den Autofokus zu sperren. Daher kann man die Taste AF-L, die ja eigentlich zum sperren dient, mit der AF-On funktion belegen. Es geht also keine Funktion verloren.

Und wie läuft das jetzt ab? Bei statischen Objekten wählt man das AF-Feld und sucht man den ersten Druckpunkt am Auslöser. Dies aktiviert aber nur den Belichtungsmesser. Dann drückt man kurz auf AF-L um zu fokussieren. Wenn die Kamera den Fokus hat, die AF-L Taste loslassen, den Bildausschnitt korrigieren und auslösen. Bei dynamischen Szenen muss man halt die Taste gedrückt halten.

Welche Methode ist besser?

Keine. Die AF-Lock Methode macht wahrscheinlich mehr Sinn, wenn man den kontinuierlichen Autofokus häufiger braucht und eher selten Portraits, Architektur oder Natur fotografiert. Die AF-On Methode, wenn man eher selten Actionreiche Szenen fotografiert. Und natürlich kann man Portraits auch weiterhin im AF-S fotografieren.
Ich persönlich neige im Moment eher zu AF-On, da ich es von der Ergonomie her angenehmer empfinde.

*1 – Bei der D7000 sind die Abblendtaste und die Funktionstaste gegenüber der D610 vertauscht (weiß der Teufel, was Nikon sich dabei gedacht hat). Um mich selbst nicht zu verwirren, habe ich trotzdem auf die Taste, die ich mit dem kleinen Finger erreiche, den AE-L gelegt. Mit der anderen Taste an der Vorderseite, also die, die ich mit dem Mittelfinger erreiche, welche bei der D610 mit der Abblendfunktion belegt ist und bei der D7000 als Funktionstaste dient, habe ich mit dem Umschalten zwischen Spot- und mittenbetonter Messung belegt. Die Abblendfunktion brauche ich nicht.

 

Matthias Hosang - Fotografie
keep shooting!

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