Preiskalkulation

Ich habe neulich ein Angebot von einem Fotografen gesehen, der für 100€ ein ca. 90-Minütiges Fotoshooting mit 4 bearbeiteten Bildern anpries. Er begründete den niedrigen Preis damit, dass er das nebenberuflich betreiben würde. Und der Hammer – es stand sogar da, dass er ja Anfänger sei und seine Bilder natürlich nicht mit richtigen Fotografen mithalten kann und er deshalb so günstig arbeitet.

Also – Was ist alles Falsch?

  1. Schlechte Bilder als Grund für niedrige Preise anzugeben ist wohl einer der größten Marketingfehler, die man machen kann. Das wäre so, als würde auf der Verpackung von Billigware aus China drauf stehen ‚Die Qualität ist schlecht, aber dafür ist es billig‘. Klar, jeder weiß, dass es so ist, aber trotzdem steht auf der Verpackung ‚2 Jahre Garantie‘
  2. 90 Minuten Fotoshooting. Die 4 Bilder aussuchen und komplett Bearbeiten (also mit Beauty-Retusche) sind locker 2,5 Std. Das sind 4 Stunden – macht einen Stundensatz von 20€. Bei diesem Stundensatz verdient man nichts, sondern zahlt drauf, schließlich muss man, wenn man ehrlich kalkuliert, davon nicht nur die unmittelbaren Kosten wie den Sprit bezahlen, sondern zB auch die anteiligen Kosten für das Equipment. ‚Ja, aber die Kamera habe ich doch schon – die brauche ich nicht bezahlen‘. Und wenn man schon draufzahlt, will man dann nicht lieber ein Projekt machen, dass einem Spaß macht und nicht an einem Kundenauftrag arbeiten?
  3. ‚Ich fange erstmal billig an und steigere meine Preise später‘ – Vergiss es. Das wichtigste Marketing für einen Fotografen ist die Mundpropaganda. Wenn man einmal anfängt im Billigsegment zu fotografieren, spricht sich das auch nur in dem Kundenkreis rum, der bereit ist das Billigsegment zu bezahlen. Wenn man dann die Preise erhöht um in die Gewinnzone zu kommen, bricht einem der Kundenkreis weg und man steht ohne Umsatz da.

Ich wollte hier jetzt einen langen Text zum Thema Preiskalkulation schreiben. Letztendlich habe ich mich aber (vorläufig) dagegen entschieden. Warum? Weil die Preiskalkulation nur ein kleiner Teil der gesamten Betriebswirtschaft ist und nicht alleine betrachtet werden kann und sollte. Und mit dem Thema Betriebswirtschaft für Fotografen kann man Bücher füllen. Da reicht ein Blog nicht aus.

Für den Anfang sollte es reichen, wenn man sich an den Preisen von Berufsfotografen orientiert. Dann seid Ihr sicher, dass ihr auch tatsächlich Gewinn mit einem Auftrag macht. Außerdem ist das nur fair den Berufsfotografen gegenüber, die sowieso ständig behaupten, dass durch die Dumpingpreise der ‚Knipser‘ der Markt kaputt gemacht wird. Günstiger ist man als nebenberuflicher Fotograf sowieso, da man unter die Kleinunternehmerregelung fällt und keine Umsatzsteuer bezahlen muss. Und mal ehrlich – wenn man sich mit diesem Preisvorteil nicht am Markt behaupten kann, hat man auch nichts am Markt verloren.

in diesem Sinne

 

Matthias Hosang - Fotografie
keep shooting!

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