RAW vs JPG – das alte Thema

Schon vor einiger Zeit habe ich mal geschrieben, dass ich vor allem die schwarz/weiß JPEG meiner Nikon D610 sehr gut finde und der Umwandlung in Lightroom eigentlich sogar vorziehe. Ich habe das natürlich auch schon bei farbigen Bildern bemerkt, aber bisher eher ignoriert, weil es meinen Workflow störte. Im letzten halben Jahr habe ich immer mehr angefangen Bilder per WLAN-Karte direkt auf das Handy übertragen und auf Facebook und Instagram zu posten oder einfach per WhatsApp gleich an die beteiligten Personen zu verteilen. Zuhause habe ich dann versucht die RAW-Bilder in Lightroom genauso hinzubekommen – mit mäßigem Erfolg. Erst recht schaffe ich es in Lightroom nicht die Einstellungen so hinzudrehen, dass ich sie einfach als Vorgabe speichern und beim Import anwenden kann.

Nicht erst seit gestern stelle ich mir die Frage „was machst du da eigentlich für einen Unsinn“. Ich fotografiere jetzt schon so lange im RAW und bearbeite dann in Lightroom. Langsam wird es Zeit diesem Workflow zu überdenken.

Neulich habe ich ein Video gesehen – ich glaube irgendein Krolop&Gerst-Video. Da kam zur Sprache, dass dem ganzen Lightroom Workflow eigentlich das Feedback in die Kamera fehlt. Sprich man erstellt eine Vorgabe in Lightroom, lädt die in die Kamera und hat JPEG mit dem Look den man will. Als ich das so hörte fiel mir ein, dass es sowas schonmal gab. Bei meiner Nikon D50 hatte ich ein Programm – natürlich eins von Nikon – mit dem ich genau das konnte. Ich konnte die Kontrastkurve so einstellen wie ich wollte und hatte meine Bilder in JPG mit genau diesem Look out-of-cam. Es gab sogar Profile zum Download, die analogem Filmmaterial entsprachen. Ich weiß noch, ich hatte ein Profil von meinem damaligen Lieblingsfilm Fuji Superia X-TRA 400. Irgendwie ging das mit meiner Nikon D80 dann verloren. Ich glaube, ich hätte die Software upgraden müssen und das war mir damals zu teuer. Wenn ich mich so zurückerinnere, war das der Zeitpunkt and dem ich angefangen habe Lightroom zu nutzen. Dafür habe ich nur Nikon-tools verwendet.

Ich lag diese Woche mit einer Erkältung flach und habe, immer wenn ich mal nicht mehr schlafen konnte, ein bisschen recherchiert. Das Ergebnis – Nikon bietet die Software seit einiger Zeit kostenlos an – Nikon Camera Control Utility 2.

Heute ging es mir etwas besser und ich habe es endlich ausprobiert. Man lädt sich einfach eines seiner RAW-Bilder (zum Beispiel von der letzten Hochzeit) als Vorschau rein und stellt so lange an den Reglern, bis man einen Look hat, der einem gefällt. Dabei hat man die volle Kontrolle über alle ‚Picture Control‘ Einstellungen der Kamera oder alternativ die manuelle Kontrolle über die Gradationskurve. Das geht in der Kamera selbst nicht (zumindest nicht bei meiner D610 – bei neueren Modellen weiß ich das nicht). Der Hammer ist aber, dass man diese Einstellungen als NCP-Datei speichern und in die Kamera laden kann. Bei der nächsten Hochzeit lädt man dieses Profil und hat Bilder im gewünschten Look als JPG aus der Kamera.

Ich werde die nächsten Stunden wohl damit verbringen mir zwei bis drei Standardeinstellungen für meine Kamera zu basteln. In Zukunft werde ich nicht mehr auf beide Speicherkarten in RAW oder gar RAW+JPG speichern, sondern nur noch auf einer Karte RAW und auf der anderen JPEG. Wahrscheinlich werde ich meine WLAN-Karte jetzt einfach immer in der Kamera lassen und auf ihr die JPEG speichern. Ich gehe sogar noch ein Stück weiter und speichere die JPEG mit der kleinsten Auflösung aber geringster Kompression. Dabei kommen immerhin 6MP Bilder raus die trotzdem noch über 4MB groß sind. Das reicht für die meisten Anwendungen locker aus. Der Standardworkflow wird sein, dass ich nur noch die JPEG importiere und die RAW tatsächlich nur als Reserve lasse – falls ich doch die volle Auflösung benötige, oder falls man mal doch mal im Nachhinein einen anderen Style ausprobieren will (was ich aber vermeiden will). Wenn ich die RAW nicht benötige, werde ich sie löschen. Lightroom wird damit zum reinen Verwaltungstool degradiert, denn für die RAW-Entwicklung werde ich, wenn sie denn nötig wird, Nikon NX-D verwenden um den Look der Nikon Engine beizubehalten.

In diesem Sinne

Matthias Hosang - Fotografie
keep shooting!