s/w out of cam (Die Technik)

Ich habe in diesem Blogpost ja schon mal geschrieben, dass ich angefangen habe, den s/w-Modus meiner Kamera zu nutzen. Hier soll es jetzt mal um Details gehen. Allerdings teile ich diesen Beitrag mal in 2 Abschnitte, denn einerseits soll der s/w-Modus ja helfen die Belichtung zu beurteilen. Andererseits wollen wir ja tolle und vor allem authentische s/w-Bilder direkt aus der Kamera haben. Die optimalen Einstellungen für diese beiden Ziele unterscheiden sich leicht.

Zuerst eine Warnung (auch wenn es eigentlich klar sein sollte). Wenn ihr eure Kamera auf s/w stellt, dann nehmt unbedingt im RAW-Format auf. Im JPEG-Format gehen die Farbinformationen verloren. Nicht das mir hier einer am Ende die Schuld gibt.

Die optimale Belichtung:

Der Belichtungsmesser der Kamera versucht das, was wir Fotografieren wollen, so zu belichten, als wäre es ein 50% Grau. So funktioniert es zumindest bei der Spot- und bei der mittenbetonten Messung. Die Matrixmessung funktioniert etwas anders, allerdings ist auch hier das Ziel, dass das Hauptmotiv als 50% Grau belichtet wird. Ich denke, zur Belichtungsmessung gibt es mal einen seperaten Blogpost.

Wie erkennt man jetzt ein korrekt belichtetes Bild am Display? Viele schwören hier auf das Histogramm. In der Portraitfotografie ist es aber meiner Meinung nach unbrauchbar. Der Großteil der Bildfläche besteht bei Portraits aus Hintergrund und der ist nicht selten stark über- oder unterbelichtet. Schaut man jetzt auf das Histogramm würde man das Bild entsprechend für über- oder unterbelichtet halten. Daher sollte man eher auf das Bild selbst gucken. Genau das mache ich im Prinzip auch – nur schaue ich eben auf ein s/w Bild. Farbe lenkt unser Gehirn bei der Bewertung der Helligkeit ab. Wir nehmen Grün, Rot und Blau unterschiedlich hell war. Daher ist es viel einfacher die korrekte Belichtung zu erkennen, wenn keine Farbe im Spiel ist.

Weilche Einstellungen sind hierfür optimal?

s/w out of cam

Diese Einstellungen habe ich mir als benutzerdefinierten ‚Picture Style‘ in der Kamera abgespeichert.

Scharfzeichnung auf Maximum. Damit erkennt man am Display gut, ob der Fokus da sitzt, wo man ihn haben möchte. Das erspart einem zwar nicht unbedingt das hineinzoomen am Display aber es beschleunigt die Bewertung der Schärfe.
Kontrast auf Maximum. Es geht ja primär um die korrekte Belichtung der Haut. Weniger um die Beurteilung von Lichtern und Schatten. Wenn mit dieser Einstellung das Gesicht perfekt belichtet ist und man alle Details erkennt, dann ist das Bild auch perfekt belichtet.
Helligkeit in der Mitte: Klar – wir wollen ja einen Eindruck von der mittleren Helligkeit haben.
Filtereffekte ‚Y‘: Das bedeutet, dass die s/w Umwandlung quasi einen aufgeschraubten Gelb-Filter simuliert. Das hat den Effekt, dass Blautöne abgedunkelt werden und der Himmel Dunkler wird. Das ist quasi mein weg zu erkennen, ob der Himmel im Hintergrund noch Zeichnung hat. Wenn man das noch etwas extremer wünscht, kann man hier auch auf Orange (‚O‘) stellen. Das würde ich aber nicht mehr für Portraits verwenden, da es der Haut nicht unbedingt schmeichelt. Die Einstellung ‚R‘ wie Rot kann man zum Beispiel für Architekturfotografie verwenden. Dabei wird der Blaue Himmel fast schwarz.
Tonen ist abgeschaltet: Hier könnte man einen Sepia oder Blauton hinzufügen. Abgesehen davon, dass es das Erkennen der richtigen Belichtung unbrauchbar ist – Ich habe noch keine Kamera gesehen, die einen vernünftigen Sepia-Ton hinbekommen hat. Die Kameras verteilen die Tonung über Schatten, Mitten und Lichter gleichmäßig, aber das ist schlicht falsch und hat mit der echten Tonung nichts zu tun.

Wenn man unbedingt sicher gehen will, dass man in den Lichtern und Schatten im Hintergrund noch Zeichnung hat kann man sich noch ein zweites Profil abspeichern, bei dem der Kontrast auf Minimum stellt. Allerdings muss ich dazu sagen, dass ich diese Einstellungen nicht verwende. Mir reicht die Beurteilung mit maximalen Kontrast.

S/W out of cam

Um tatsächlich authentisch out of cam in s/w zu fotografieren, sehen die Einstellungen wie folgt aus.

s/w out of cam

Der wesentliche Unterschied – Die Scharfzeichnung ist auf Minimum. Warum? Weil Bilder auf gutem alten Film nie so perfekt scharf waren, wie wir es heute von die digitalen Bildern gewohnt sind.

Der zweite Unterschied ist weniger wichtig. Die Helligkeit steht auf „-„. Damit wird das Bild etwas dunkler und die Lichter bekommen mehr Zeichnung. Leider verliert man dabei etwas in den Schatten. Um das zu kompensieren habe ich in diesem Setting das ‚Aktive D-Lighting‘ aktiviert. (Ich glaube bei Canon heißt das ALO). Man sollte hier die schwächste Einstellung wählen, da das Bild sonst schnell sehr nach peinlichem HDR und nicht nach authentischem s/w aussieht. Im Zweifel sollte man eher darauf verzichten.

Am besten sehen diese Einstellungen bei einem hohen ISO aus. ISO800 sollte es schon sein. Besser noch ISO1600 oder ISO3200. Man bekommt dann ein Rauschen in den Tiefen, das dem Filmkorn sehr ähnlich sieht. Will man aber bei Tageslicht mit offener Blende fotografieren, geht das natürlich nicht. Hier empfiehlt sich ein Graufilter. Da könnte es dann aber mit der Bildkontrolle durch den Sucher schwierig werden. Alternativ kann man dann den live-view verwenden. Und damit man dann beim Fotografieren noch halbwegs professionell aussieht, sollte man eine Bildschirmlupe bzw. Viewfinder verwenden. Die Teile sind nebenbei auch sehr praktisch, wenn man bei starkem Sonnenschein auf dem Display kaum was erkennt.

Man kann aber auch einfach mit ISO100 fotografieren und das Filmkorn digital hinzufügen. Aber dazu mache ich wohl mal einen eigenen Beitrag – Authentisches schwarz/weiß mit Lightroom und Photoshop.

In diesem Sinne …

 

Matthias Hosang - Fotografie
keep shooting!

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