Yongnuo TTL Transciever

Ich hatte ja vor kurzem schon mal über das entfesselte Blitzen mit dem Nikon-System berichtet. Bei den letzten beiden Fotoshootings hatte ich nun endlich die Yongnuo TTL Transciever YN-622N und den Sender YN-622N-TX LCD im Einsatz. Ich muss sagen, ich bin ziemlich begeistert.

Aber der Reihe nach. Ich muss zugeben, dass der Einstieg eher holprig war, denn ich habe als erstes zu verstehen versucht, wie man mit dem YN-622N als Sender auf der Kamera arbeitet. Allerdings habe ich dann ziemlich schnell entschieden, dass ich mich damit nicht weiter beschäftige, denn die Bedienung ist alles andere als intuitiv. Und wenn ich erst das Handbuch lesen muss, taugt das auch nicht als schnelle Backup-Lösung für den Fall, dass der YN-622N-TX LCD bei einem Shooting ausfällt. Umso erfreulicher ist es, dass der YN-622N-TX LCD quasi selbsterklärend ist. Als Backup habe ich ja immer noch meinen SU-800 Nachbau.

Der zweite Stolperstein war der Vorblitz- und der machte gleich doppelt Probleme. Zur kurzen Erklärung – Bei TTL wird ein schwacher Messblitz abgegeben, den der Belichtungsmesser der Kamera misst und dem Blitz dann die gewünschte Leistung für den eigentlichen Blitz mitteilt. Da bei dem Yongnuo-System die Aufsteckblitze immer im TTL-Modus arbeiten, wird auch immer ein Messblitz abgegeben. Im manuellen Modus fängt das Yongnuo-System die Leistungsinformation für den Blitz ab und schickt stattdessen den am Sender eingestellten Wert zum Blitz. Normalerweise kommen die beiden Blitze so kurz hintereinander, dass man es kaum bemerkt, dass es tatsächlich 2 Blitze sind. Leider war es bei meinem Yongnuo-System so, dass zwischen Messblitz und Hauptblitz ein recht lange Verzögerung war. So lang, dass es beinahe unbrauchbar war. Die Lösung war aber schnell gefunden. Für die Super-Sync Funktion kann man bei diesem System eine Verzögerung einstellen. Blöderweise ist die auch aktiv, wenn der Sender nicht im Super-Sync Modus ist. Nachdem ich die Verzögerung auf Minimum gestellt habe, funktionierte alles normal.

Das zweite Problem mit dem Vorblitz hat man, wenn man einen Handbelichtungsmesser verwenden will. Da der Messblitz auch im manuellen Modus abgegeben wird, liefern Belichtungsmesser wie der Sekonic L-308 S Flashmate keine vernünftigen Werte, weil sie den TTL-Messblitz erfassen und auswerten. Klar – jetzt könnte man einfach davon ausgehen, dass der Messblitz mit minimaler Leistung erfolgt, also wahrscheinlich 1/128, und dann auf die tatsächlich benötigte Leistung hochrechnen. Aber wer hat darauf schon Lust …

Aber mit etwas grübeln habe ich tatsächlich einen brauchbaren Workaround gefunden. Dieser Workaround heißt ‚Blitz-Belichtungsspeicher‘ – Eine Funktion in der Kamera, für die ich bisher keine sinnvolle Anwendung gesehen haben. Diese Funktion kann man sich zB auf die ‚Fn‘-Taste legen und beim drücken dieser Taste wird dann nur der Messblitz losgeschickt. Die Kamera merkt sich für die nächsten Auslösungen die benötigte Leistung des Blitzes und zwar so lange, bis man die Taste zum Speichern erneut drückt oder die Kamera ausschaltet. Es wird also, solange der Speicher aktiv ist, beim Drücken auf den Auslöser der Kamera kein Messblitz mehr losgeschickt, sondern direkt der Hauptblitz. Praktischerweise funktioniert das auch mit dem 622N-TX und zwar auch, wenn die Leistung am Sender manuell eingestellt wird. Man kann also mit der Kamera einmal den Messblitz abfeuern und dann mit dem externen Belichtungsmesser und dem Sender die Leistung einstellen. Allerdings muss man zum Zünden des Blitzes den Auslöser der Kamera benutzen. Mit der ‚Test‘-Taste am Sender funktioniert das nicht. Hier wird wieder der Messblitz vorausgeschickt. Man hat also am Ende ein paar sinnlose Bilder auf der Speicherkarte. Aber was soll’s – für sowas gibt es an der Kamera die Taste zum Löschen.

Übrigens hat der Blitz-Belichtungsspeicher noch einen zweiten Vorteil. Bei manchen Menschen ist der Lidschlussreflex so schnell, dass sie durch den Messblitz schon anfangen die Augen zu schließen. Wenn man den Blitz-Belichtungsspeicher nutzt, gibt es keinen Messblitz und die Personen blinzeln erst, wenn das Foto im Kasten ist.

So vorbereitet ging es zum ersten Einsatz.

Yongnuo YN-622N mit Nikon SB-800

Yongnuo YN-622N mit Nikon SB-800

Bei diesem Shooting habe ich den Blitz zum Aufhellen der Schatten verwendet. Da bei einem Blitz nicht viel schiefgehen kann, habe ich mich dabei auf die TTL-Funktion verlassen und wurde nicht enttäuscht. Die ersten Bilder haben mich sofort überzeugt.

Model: Wiebke

Model: Wiebke

ISO 100 – 35mm – f/1.4 – 1/4000s. Dass ich bei dem Bild gleich im HSS-Modus war, ist mir erst hinterher bewusst geworden. Umso erstaunlich fand ich es, dass dieses System so gut funktioniert. Auf das Anpassen der Lichtfarbe habe ich übrigens bewusst verzichtet. Ich finde, dass die etwas kühlere Färbung im Schatten ganz gut passt.

Der zweite Einsatz war dann bei einem Shooting in einem Fitnessraum (vielen Dank an dieser Stelle an das ‚goFIT‘ in Potsdam)

Model: Wiebke

Model: Wiebke

Auch bei diesem Shooting war ich die ganze Zeit im HSS-Modus unterwegs. Das Shooting fand während des laufenden Betrieb statt und wir konnten nicht einfach das Licht ausschalten.

Das einzige, was nicht mehr so verlässlich funktioniert hatte, war die TTL-Messung. Mit 2 Blitzen bekommt man, besonders, wenn einer davon als Gegenlicht benutzt wird, keine reproduzierbaren Ergebnisse. Da hilft es auch nichts, dass die Blitze in unterschiedlichen Gruppen sind. Aber 2 Blitze manuell einzurichten ist ja nun auch kein Hexenwerk.

 

Matthias Hosang - Fotografie
keep shooting!

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